> Wasser fließt
bergauf ! <
war das Motto
einer großen Gemeinschaftsübung anlässlich der 75-Jahr-Feier der FFW Seelach
am Sa.11.Juni um 14:30 im Seelacher Ortsteil Dennach.
Ein Bericht unseres Seelacher Kameraden Stefan Schenk
Das Szenario:
Jugendliche Schwarzfahrer rasen mit ihrem PKW in die Scheune des Anwesens
Dennach 3. Brennend auslaufender Kraftstoff setzt schlagartig große Mengen
Heu und Stroh in Brand. Wohnhaus und Stall werden vom Feuer bedroht. Der
Unglücksfahrer bricht verletzt im Hof zusammen. Sein Beifahrer verliert
bei der verzweifelten Suche nach einem Wasserschlauch im verrauchten Keller
Orientierung und Bewusstsein. Übers Treppenhaus breitet sich Brandrauch ins
Dachgeschoss (DG) aus, dort werden vier Bewohner akut bedroht. Die Wohnung
im ersten Obergeschoss bleibt dank geschlossener Etagentür zwar rauchfrei,
aber weiteren zwei Bewohnern fehlt nun auch hier jede Möglichkeit zur Flucht
– Sie wählen den Notruf 112!
Die Alarmierung:
Die einsatzbereit
wartenden Feuerwehren wurden vom Seelacher Kdt. (Kommandant) zu
Übungsbeginn über das 4m-Band abgerufen. Zeitlich lag dem Ablauf dabei
folgende Annahme zugrunde:
Die Polizei reagiert auf den Notruf mit Alarm für die Wehren: Seelach,
Kronach und Knellendorf (Alarmstufe II). Noch auf der Anfahrt erhöht der
Seelacher Kdt. auf Alarmstufe III (Einsatz für: Gehülz, Burgstall,
Gundelsdorf) und lässt die FFW Glosberg sowie den SW2000 aus Weißenbrunn
(Einsatzplan 2.te Wasserversorgung) ebenso nachalarmieren wie zusätzlich
zwei Tankfässer.
Die
Einsatzmaßnahmen:
Die Brandausbreitung
Richtung Wohnhaus verzögert Seelachs Löschgruppe I durch Vornehmen von
erstem und zweitem Rohr und legt den nachrückenden Atemschutzträgern aus
Knellendorf das dritte C-Rohr für einen Innenangriff bereit. Damit ist die
Hydrantenleistung in Dennach allerdings bereits erschöpft! Einen Angriffsweg
zur Personenrettung stellt die Löschgruppe II mit vierteiliger Steckleiter
über den straßenseitigen Balkon ins DG her. Knellendorfer Kameraden unter PA
(Pressluftatmer) retten die 90 kg schwere Übungspuppe „Onkel-Walter“ aus den
stark (mit Disko-Nebel) verrauchten Räumen auf den Balkon hinaus, dort
übernehmen die Seelacher den Transport, mittels Trage und Leiterhebel vom
Balkon herunter, und weiter zur Verletztensammelstelle.
Der
Einsatzabschnitt „Innenhof “
Den
aufgrund von Anzahl und Art der Aufgaben schwierigen Einsatzabschnitt
„Innenhof“ übernimmt die FFW Kronach (Seelachs Patenfeuerwehr) mit ihrem
komplett anrückenden und um ein TSF verstärkten Löschzug (MZF, LF16/12, DLK
23/12 nB, TLF16/24). In diesem Bereich werden unter Führung von Gottfried
Möller und Burkhard Grebner folgende Maßnahmen durchgeführt:
- der Fahrer wird in
Sicherheit gebracht; seine stark blutende Wunde mit Druckverband versorgt;
- ein Trupp unter PA sucht, findet, und rettet den Beifahrer aus dem
verrauchten Keller;
- am stark verqualmten DG-Fenster (hofseitig) wird eine Jugendliche über DL
(Drehleiter) gerettet;
- aus dem gleichen
Raum auch über DL ebenso der bettlägerige Großvater (Übungspuppe
„Horst-Zwo“)
- ein durch Strahlungswärme aufgeheizter Dieseltank muss gekühlt werden;
- Wasserversorgung durch landwirtschaftliches Tankfass und TSF; sowie
Fahrzeugtanks TLF und LF16
- mit einer dritten
Rettungsaktion bringt die DL einen vom DG aufs Dach Geflüchteten in
Sicherheit.
(Im Absturzbereich waren die Personen während der gesamten Übung durch
Bandfalldämpfer und
Brust-Sitzgurt-Kombination gegen Absturz gesichert!)

- anschließend geht
die DL zur Brandbekämpfung von Oben über;
- Keller und DG werden mit der Kronacher Wärmebildkamera ein zweites mal
gründlich abgesucht;
- und mittels Drucklüfter entraucht, auch wird gefährliches Stückgut
vorsorglich geborgen.

Der
Einsatzabschnitt „Wasser“
Ab Größenordnung
Etagenbrand ist die Löschwasserversorgung in Dennach nicht mehr ausreichend.
Kdt. Jürgen Seemann (Seelach) und der ihm zur Seite stehende KBM Martin
Panzer (Unterkreis 7) verfolgen als Gesamteinsatzleitung daher von Anfang an
eine Doppelstrategie:
a)
Aufbau Förderleitung vom Seelacher Dorfteich nach Dennach,
entsprechend existierendem Einsatzplan 2.te Wasserversorgung
(dessen praktische Überprüfung den Hauptübungsgrund darstellt)
b)
Wassertransport mit landwirtschaftlichen Tankfässern;
Zum Zwecke a):
- verlegt Weißenbrunn mit seinem Schlauchwagen eine 1.000 Meter
lange B-Leitung durchgehend von Seelach Ortsmitte nach Dennach;
- rüstet die FFW Gehülz am Dorfteich an und wird „Förderpumpe 1“;
- kuppeln die Kameraden aus Burgstall und Gundelsdorf ihre Pumpen
als Förderpumpe 2 bzw. 3 in die lange Schlauchstrecke ein;
- übernimmt Knellendorf mit „Förderpumpe 4“ den Kopf der Strecke
- und bilden Kdt. Reinhard König (Knellendorf) mit 2.Kdt. Klaus Limmer
(Seelach),
zur Entlastung der Einsatzleitung, die Abschnittsleitung „Wasser“.
Der Einsatzabschnitt „Viehstall“
Unter dem Kommando von
KBM Matthias Schuhbäck errichten - aus der Förderstrecke nach Vorne
gezogene freie Kräfte - eine Riegelstellung zwischen den 70 Stück Vieh im
Stall und der brennenden Scheune. Dort sind auch Aufgaben wie das
durchtrennen von Ketten und das Schaffen von Öffnungen ins „Gebäude“ zu
bewältigen. Das zweite eintreffende Tankfass und die FFW Glosberg bereinigen
endgültig die Gefahr der Brandausbreitung ins Wohnhaus. Die FFW Burgstall
evakuiert schließlich die beiden letzten, jedoch zu keiner Zeit akut
gefährdeten, Hausbewohner vom Balkon des ersten Obergeschosses.

Damit sind 30 Minuten
(nach Sirenenalarm in Seelach) alle acht bedrohten Personen in Sicherheit !
– Und dem Feuer starker Widerstand entgegengesetzt.
Abschließende
Maßnahmen und Fazit:
„Übungsende! – Zum
Abmarsch fertig! – Sammeln am Schützenhausplatz! “ ... wo bei einer
wohlverdienten Brotzeit, Manöverkritik gehalten wurde. Auch wurden den in
der Übung über einen Kilometer weit verteilten Einsatzkräften die gesamten
und gemeinsam bewältigten Aufgaben kurz dargestellt.
Nicht nur für die
zahlreichen Zuschauer war es beeindruckend was rund 130 Mann Feuerwehr in
kleiner und großer Teamarbeit zu leisten im Stande sind. Schon 20 Minuten
nach Alarm flossen über die einen Kilometer lange Förderstrecke tatsächlich
1.000 Liter pro Minute den 65 Meter hohen Berg hinauf.
Damit gingen für die
Seelacher Feuerwehrer im „fachlichen Teil“ ihres 75-Jahr-Festes gleich zwei
Wünsche in Erfüllung. Erstens: Dank den Einsatzkräften und dem Material von
acht Feuerwehren konnte der Einsatzplan „Zweite Wasserversorgung“ nun auch
für den Fall „Förderstrecke Dennach“ erfolgreich überprüft werden. Und
Zweitens, konnten aus dem Anlass, auch einmal die Kameraden aller
Nachbarwehren zugleich in Seelach in Aktion begrüßt werden. Allen die dies
unterstützt und ermöglicht haben, sowie allen Kameraden für ihren
professionellen Einsatz - Herzlichen Dank!
Bericht und Fotos: Stefan Schenk, FFW Seelach